Die reichsten Technologiekonzerne des Silicon Valley haben ehrgeizige Pläne angekündigt, ihr Vermögen mit der Gesellschaft zu teilen. Anthropic hat 5 Prozent seiner Aktien einem Gemeinwohlfonds zugesagt, OpenAI schlägt vor, den durch künstliche Intelligenz geschaffenen Wohlstand zu verteilen. Elon Musk will SpaceX-Aktien an amerikanische Kinder verschenken. Die Menschen, die unvorstellbaren Reichtum anhäufen, haben offenbar endlich entdeckt, dass alle anderen auch gern etwas davon hätten. Die Vorschläge könnten viel bewirken, doch offen bleiben Fragen zu Transparenz, Verteilung und dazu, wer entscheidet, was die Öffentlichkeit eigentlich braucht.
Ein faszinierender Durchbruch im modernen Kapitalismus: Milliardäre entwickeln Technologien, die Millionen Arbeitskräfte ersetzen könnten, und bieten dann großzügig an zu untersuchen, was passiert, wenn diese Arbeitskräfte sich keine Lebensmittel mehr leisten können. Man stellt sich die Präsentationen vor: wunderschöne Dashboards, revolutionäre Algorithmen und eine sorgfältig gestaltete App, mit der Arbeitslose ihren schrumpfenden Kontostand in Echtzeit verfolgen können.
Natürlich muss die Lösung innovativ sein. Einfach dafür zu sorgen, dass Menschen genug Geld haben, hätte nicht die nötige technologische Spannung. Die Branche nennt es, der Gesellschaft etwas zurückzugeben. Die Gesellschaft darf sich zu Recht fragen, warum erst alles oben eingesammelt werden musste.
Trotzdem, Fortschritt ist Fortschritt. Armut bekommt endlich die Aufmerksamkeit, die sie verdient: ein Geschäftsmodell, einen Milliardär und eine wunderschön gestaltete Benutzeroberfläche.
Was wirklich passiert ist
- Anthropic kündigte am 18. Oktober 2026 an, 5 Prozent seiner Aktien in einen neuen Anthropic Public Benefit Fund zu geben (laut New York Times vorbehaltlich der Zustimmung der Aktionäre). Elon Musk versprach am Tag darauf, jedem Kind in den USA im nächsten Jahr eine SpaceX-Aktie zu schenken. Auch OpenAI skizziert Pläne zur Verteilung von Wohlstand; wie sie funktionieren und wer die Begünstigten auswählt, ist laut AP noch offen.
- Quellen: ABC News, NY1 / AP