Berlin hat eine neue Lieblingsbeschäftigung: sich über Berlin wundern. Die Mietpreisprüfstelle des Berliner Senats – seit rund einem Jahr am Start – hat laut Senatsverwaltung und Berlin.de zahlreiche Fälle überhöhter Mieten festgestellt. Zwischen April und Dezember 2025 wurden 339 Mieten geprüft; 320 davon – also 94 Prozent – lagen unzulässig über der ortsüblichen Vergleichsmiete.  


Und damit nicht genug: In 222 Fällen lag die Miete sogar mehr als 50 Prozent über der Vergleichsmiete. Das ist der Bereich, in dem nicht nur von „zu teuer“, sondern vom Verdacht auf Wuchermiete gesprochen wird; und Wucher kann strafrechtlich relevant sein.  


Und damit nicht genug: In 222 Fällen lag die Miete sogar mehr als 50 Prozent über der Vergleichsmiete.


Das Ganze ist, streng genommen, keine Überraschung. Berlin ist eine Stadt, in der Wohnraum knapp, Nachfrage hoch und Kreativität bei Preisgestaltung legendär ist. Neu ist eher, dass die Verwaltung den Fällen systematischer nachgeht ; niedrigschwellig, beratend, prüfend – und dabei Zahlen produziert, die man nicht mehr als Einzelfälle wegmoderieren kann.


Die eigentliche Ironie ist: Eine Prüfstelle beweist, dass es Probleme gibt, die ohnehin jeder kennt. Aber sobald die Probleme gezählt werden, werden sie plötzlich politisch. Denn Zahlen haben diese unangenehme Eigenschaft, Verantwortung zuzuweisen – und Verantwortung ist im Mietmarkt bekanntlich rarer als ein Altbauvertrag ohne Überraschungen.


What to watch next


Ob aus den Verdachtsfällen konkrete Rückforderungen/Absenkungen folgen – und wie konsequent das durchgesetzt wird.

Ob die Prüfstelle personell/strukturell ausgebaut wird, wenn die Fallzahlen weiter steigen.

Ob Vermieter und Plattformen ihr Verhalten sichtbar anpassen – oder nur ihre Formulierungen.