Es war einmal eine Stadt, die einen Flughafen bauen wollte. Das dauerte. Dann wollte sie die Olympischen Spiele, gemeinsam mit Brandenburg, Sachsen und Mecklenburg-Vorpommern, Arbeitstitel „Berlin+“. Das Plus stand vermutlich für die Kosten.
Jetzt ist es vorbei. Berlin hat seine Bewerbung für die Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 zurückgezogen, noch bevor der Deutsche Olympische Sportbund entscheiden konnte. Hinter München und Köln-Rhein-Ruhr galt die Hauptstadt ohnehin nur noch als krasse Außenseiterin. Die Bewertungskommission gab Berlin 74,64 von 100 Punkten. Für Berliner Verhältnisse ist das übrigens eine sehr gute Note. Der Flughafen hätte sich darüber gefreut.
45 Sekunden, die alles veränderten
Den entscheidenden Schlag versetzte die Wahl. Die Koalition, die Olympia vorangetrieben hatte, wurde abgewählt. Wahlsiegerin Elif Eralp von der Linken, die Regierende Bürgermeisterin werden könnte, erklärte die Sache einen Tag nach der Wahl für „erledigt“. Berlins Olympiabeauftragter warf ihr vor, sie habe die Bewerbung „innerhalb von 45 Sekunden“ vom Tisch gewischt.
45 Sekunden. Das ist ungefähr die Zeit, die man in Berlin auf eine Ampel wartet, die man dann trotzdem bei Rot überquert.
Man muss dieser Stadt zugutehalten: Sie ist sich ihrer Stärken bewusst. Berlin kann Clubs, bei denen die Schlange länger dauert als die Nacht. Berlin kann Demos, Späti-Philosophie und Mieten, die sportlicher steigen als jede Hochsprunglatte. Was Berlin nicht kann: Großprojekte pünktlich, günstig und ohne Untersuchungsausschuss.
Was jetzt aus dem Geld wird
Die Gegner*innen argumentieren, die Milliarden würden anderswo dringender gebraucht. Schulen. Wohnungen. Nahverkehr, der auch dann fährt, wenn es schneit, streikt oder Dienstag ist. Das klingt unspektakulär, wäre aber tatsächlich eine Disziplin, in der Berlin Weltrekorde aufstellen könnte, wenn es denn wollte.
Der DOSB-Präsident zollte Berlin Respekt für den Rückzug, ein „großes Zeichen von Fairness“. So viel Lob hat die Hauptstadt lange nicht bekommen. Vielleicht ist das die eigentliche Lehre: Manchmal ist das Beste, was man für einen Wettbewerb tun kann, ihn den anderen zu überlassen und in der Zwischenzeit die Toiletten am Alexanderplatz zu reparieren.
Wir gratulieren München und Köln-Rhein-Ruhr schon mal vorsorglich. Und Berlin? Bleibt, was es ist: die inoffizielle Hauptstadt des Fast-Gewonnen.
Was wirklich passiert ist
- Berlin hat seine Bewerbung „Berlin+“ für die Olympischen und Paralympischen Spiele 2036, 2040 oder 2044 vor der DOSB-Entscheidung zurückgezogen. Als Hauptgrund nannten die Organisatoren die fehlende politische Stabilität nach der Abgeordnetenhauswahl. DW, 2026