Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj reiste nach Brüssel, um seine europäischen Verbündeten um eine bescheidene Ergänzung von siebzig Milliarden Euro zu bitten, damit das Land das nächste Jahr übersteht. Die Bitte fällt in eine bemerkenswerte Woche: Die Vereinigten Staaten haben nach einem Deal mit Moskau die Sanktionen auf russischen Diesel aufmerksamerweise bis April 2027 ausgesetzt. Präsident Donald Trump sagte, Selenskyj solle mit den Angriffen auf russische Ölraffinerien gefälligst aufhören, und meinte, die Ukraine brauche vielleicht einen neuen Präsidenten.

Damit erscheint die Verteidigung eines souveränen Staates als ärgerliche Zumutung für Autofahrer. Die diplomatische Lage hat eine bemerkenswerte Klarheit erreicht. Die US-Regierung sichert sich billigen Sprit, indem sie einer Invasionsarmee entgegenkommt, während die Europäische Union ihre Staats- und Regierungschefs versammelt, um unerschütterliche Unterstützung zu bekunden, in den Gipfelschlussfolgerungen die amerikanische Dieselentscheidung förmlich zu bedauern und verzweifelt in den gemeinsamen Sofaritzen nach Milliarden zu suchen.

Die Aufführung ist wunderbar abgestimmt. Washington schützt das heilige Recht auf bezahlbares Pendeln, Kyjiw versucht, genug Geld für den Winter zusammenzubekommen, und europäische Beamte verschicken zutiefst besorgte Pressemitteilungen über gemeinsame Werte, während sie leise ausrechnen, was echte Solidarität kostet.

Was wirklich passiert ist

  • Selenskyj bat beim EU-Gipfel in Brüssel (15./16. Oktober 2026) um weitere 70 Milliarden Euro für das kommende Jahr.
  • Die USA haben nach einem Deal mit Russland eine Sanktionsausnahme für russischen Diesel bis April 2027 erteilt; die Gipfelschlussfolgerungen „bedauern“ diese Entscheidung.
  • Trump forderte Selenskyj Mitte Oktober auf, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen („better damn well stop“), und sagte, die Ukraine brauche einen neuen Präsidenten. Das in Umlauf gebrachte Zitat „Schande“ ließ sich nicht belegen.
  • Quellen: France 24, Euronews, Kyiv Independent