Der Bundesnachrichtendienst beschäftigt hochqualifizierte Menschen, um Informationen zu beschaffen, die andere lieber für sich behalten würden. Dass nun ausgerechnet der Umgang mit den eigenen Geheimnissen Gegenstand von Ermittlungen ist, hat eine gewisse institutionelle Eleganz. Es ist, als würde die Feuerwehr feststellen, dass in der Wache seit Jahren die Rauchmelder fehlen.

Man stellt sich die interne Sitzung vor, in der erklärt werden muss, dass vertrauliche Unterlagen möglicherweise nicht vertraulich genug behandelt wurden. Natürlich folgt darauf ein streng vertraulicher Bericht darüber, wer für die Vertraulichkeit verantwortlich gewesen wäre. Verschlusssache, versteht sich. Diesmal wirklich.

Deutsche Gründlichkeit hört nicht auf, nur weil sie gerade selbst untersucht wird. Sie legt dafür einen neuen Ordner an.

Ob die Vorwürfe stimmen, entscheidet ein Gericht, nicht diese Kolumne. Aber eine Frage darf man schon jetzt stellen: Wenn ein Verdacht 16 Jahre lang niemandem im eigenen Haus auffällt, wie gut ist dann eigentlich die Aufklärung, die dieses Haus im Namen trägt?

Fakten zum Roast

  • Anlass: die Festnahme des früheren BND-Präsidenten August Hanning und seines früheren Büroleiters am 6. Oktober 2026. Euronews
  • Die Vorwürfe sind nicht gerichtlich bestätigt, für die Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung. Der Roast zielt auf die Institution und ihre Kontrollen, nicht auf Personen.