Bundeskanzler Friedrich Merz ist am Sonntag unangekündigt mit dem Sonderzug nach Kiew gereist. Begleitet wurde er von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und rund zehn Managern aus Rüstung und Energie, darunter von Siemens Energy, Hensoldt, Diehl Defence und Quantum Systems. Deutschland sagte rund 1,3 Milliarden Euro neue Hilfe zu, davon 1 Milliarde für militärischen Bedarf und 350 Millionen für die Energieversorgung vor dem Winter. Dazu kam ein Abkommen über die gemeinsame Produktion von Abfangdrohnen gegen Russlands strahlgetriebene Drohnen. Über den Gesamtwert der unterzeichneten Vereinbarungen gibt es unterschiedliche Angaben, sie reichen von 6,5 bis 8,5 Milliarden Euro.
Wie ernst die Lage ist, zeigte sich während des Besuchs: Als Merz und Präsident Selenskyj mit Rettungskräften an der Nationalen Akademie der Wissenschaften sprachen, die Ende September von einem russischen Angriff getroffen worden war, gab es Luftalarm. Merz warnte, wenn Russland nicht gestoppt werde, richte sich seine Kriegsmaschine früher oder später gegen uns.
In Berliner Pressemitteilungen klingt Unterstützung immer sehr koordiniert. In Kiew redet zwischendurch die Sirene mit.
Der Besuch zeigt, wohin sich die deutsche Ukraine-Politik bewegt: weg von einzelnen Hilfspaketen, hin zu langfristiger Rüstungs- und Industriekooperation. Das hat Logik und ein Geschäftsmodell. Für die Ukraine zählt am Ende weniger die strategische Erklärung als die Frage, ob eine Abfangdrohne rechtzeitig da ist, wenn die nächste Shahed kommt. Zwischen beidem liegt der Unterschied zwischen einer Absichtserklärung und einem Treffer.
Was wirklich passiert ist
- Merz reiste am 4. Oktober 2026 mit Katherina Reiche und einer Wirtschaftsdelegation nach Kiew. Zugesagt wurden rund 1,3 Milliarden Euro (1 Milliarde militärisch, 350 Millionen Energie) und ein Abkommen zu Abfangdrohnen. Kyiv Post, NBC News
- Den Gesamtwert der Vereinbarungen beziffern Quellen unterschiedlich (6,5 bzw. 8,5 Milliarden Euro). OSW