Kaum ist der Abschied angekündigt, steht schon das Reserviert-Schild auf dem Stuhl. Finanzminister Lars Klingbeil sagte am Freitag am Rande des Eurogruppen-Treffens in Luxemburg, Deutschland wolle auch künftig stark in den Gremien der Europäischen Zentralbank vertreten sein und werde einen deutschen Kandidaten vorschlagen. Er stimme sich dazu eng mit dem Kanzleramt ab. Anlass: Isabel Schnabel verlässt das EZB-Direktorium am 3. Januar 2027 und leitet ab dem 4. Januar die Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte beim Internationalen Währungsfonds. Ihre Amtszeit wäre regulär bis Ende 2027 gelaufen.

Der Schritt hat eine zweite Botschaft. Beobachter lesen ihn als Zeichen, dass Berlin nicht um die Nachfolge von EZB-Präsidentin Christine Lagarde kämpfen wird. Als Favoriten dafür gelten der Spanier Pablo Hernández de Cos und der Niederländer Klaas Knot. Deutschland verzichtet also auf den Chefsessel und sichert sich dafür einen Platz am Tisch. Das ist die geldpolitische Version von: Ich will nicht Kapitän sein, aber das Steuer bleibt in Reichweite.

Die EZB ist politisch unabhängig. Deshalb wird ja so leidenschaftlich darüber verhandelt, aus welchem Land die Unabhängigen kommen.

Formal sollen Direktoriumsmitglieder nicht ihre Heimatländer vertreten. Praktisch achtet jede Hauptstadt penibel auf die Pässe. Für deutsche Sparerinnen und Kreditnehmer ist das nicht nur Folklore: Das Direktorium bereitet die Zinsentscheidungen vor, die Hypotheken, Tagesgeld und Staatsschulden von Lissabon bis Helsinki bewegen. Einen Namen hat Klingbeil noch nicht genannt. Das Kanzleramt hat ihn vermutlich schon.

Was wirklich passiert ist

  • Klingbeil kündigte am 9. Oktober 2026 in Luxemburg an, Deutschland werde einen Kandidaten für das EZB-Direktorium vorschlagen. Reuters via Yahoo Finance
  • Isabel Schnabel verlässt die EZB am 3. Januar 2027 und wechselt zum IWF, wo sie ab dem 4. Januar die Abteilung für Geld- und Kapitalmärkte leiten soll. Yahoo Finance
  • Ein konkreter deutscher Kandidat wurde bisher nicht benannt.