Iranische Funktionäre haben laut Berichten angedeutet, dass ein Verschleppen der Verhandlungen mit den Vereinigten Staaten Washington vor den amerikanischen Zwischenwahlen politisch schwächen könnte. Statt auf eine Einigung zuzueilen, scheint Teheran bereit, die Gespräche weiterlaufen zu lassen und sich nebenbei auf eine neue militärische Konfrontation vorzubereiten. Sollte das stimmen, wird Diplomatie zum politischen Geduldsspiel: Amerika will Fortschritt, Iran will Zeit, und keine Seite scheint ernsthaft daran zu glauben, dass der Frieden kommt.

Eine faszinierende Entwicklung der internationalen Diplomatie, in der das Verweigern einer Entscheidung offenbar zur Militärstrategie geworden ist. Washington will einen Durchbruch, den es im Fernsehen verkünden kann; Teheran sieht vielleicht lieber zu, wie den Amerikanern langsam der Geduldsfaden reißt. Beide Regierungen reden leidenschaftlich vom Frieden und halten ihre militärischen Optionen praktischerweise griffbereit.

Der moderne Friedensprozess besteht anscheinend darin, ausführlich zu besprechen, wie sehr alle es hassen, einander zu bombardieren, während man sorgfältig prüft, ob die Bomber startklar sind. Die Diplomaten reden weiter, die Generäle planen weiter, und die normalen Menschen hoffen, dass sich irgendwann jemand erinnert: Verhandlungen sollten einen Krieg verhindern und nicht das Unterhaltungsprogramm zwischen zwei Luftangriffen liefern.