Der französische Staat hat auf eine Welle landesweiter Proteste mit seiner traditionellen Mischung aus massivem Polizeiaufgebot und feierlichem präsidialem Vokabular reagiert. Am Samstag gingen nach Angaben des Innenministeriums rund 550.000 Menschen auf die Straße, von Schülern und Studierenden bis zu Gewerkschaftern und altgedienten Gelbwesten, wütend über steigende Lebenshaltungskosten, Spritpreise und ein bröckelndes öffentliches Bildungswesen. Die Bewegung begann im September mit Schulblockaden in Créteil.
Die meisten demonstrierten friedlich. Die Polizei setzte dennoch Tränengas und Blendgranaten ein, mancherorts schon bevor die Märsche begonnen hatten, und Human Rights Watch hatte bereits einen 15-Jährigen dokumentiert, der durch eine Blendgranate eine Hand verloren haben soll, sowie einen 14-Jährigen, dem eine Tränengaskartusche den Kiefer zertrümmerte. Die Polizeiaufsicht untersuchte schon vor dem Wochenende zwei Dutzend Vorfälle.
Eine gewalttätige Minderheit legte unterdessen Feuer, griff Rathäuser an, drang in das Rathaus von Marseille ein und plünderte Geschäfte; rund 1.500 Betriebe wurden beschädigt, mehr als 2.000 Menschen festgenommen, Hunderte Polizisten verletzt, und zwei Demonstrierende starben unter Umständen, die noch untersucht werden. Präsident Emmanuel Macron versprach, wer die Republik stürzen wollte, werde zur Verantwortung gezogen, im geschliffenen Ton eines Staatsoberhaupts, das von den Manieren seiner Bürger zutiefst enttäuscht ist. Die offizielle Erzählung zeigt den Staat als Bollwerk der Ordnung gegen das Chaos. Weniger gesprächig ist sie bei der Frage, warum eine Bewegung für bessere Schulen mit orthopädischen Operationen für Teenager endete.
Was wirklich passiert ist
- Samstag, 17. Oktober 2026: Das Innenministerium zählte rund 550.000 Demonstrierende, die Veranstalter 800.000. Über 2.000 Festnahmen und mehr als 600 verletzte Polizisten (Innenminister Nuñez); zwei Demonstrierende starben.
- Rund 1.500 Geschäfte beschädigt; das Rathaus von Marseille gestürmt; in Lyon ein Tourismusbüro in Brand gesetzt. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein.
- Human Rights Watch berichtete von einem 15-Jährigen, der eine Hand verlor, und einem 14-Jährigen mit zertrümmertem Kiefer; die IGPN untersuchte 24 Vorfälle. Die Schülerbewegung begann am 18. September in Créteil. Nicht bestätigt: die Behauptung, gesperrte Routen hätten Städte ohne Polizei gelassen.
- Quellen: France 24, CNN, Al Jazeera, CBS News