Europa hat zwischen Januar und September 2026 einen Rekord aufgestellt, auf den in Brüssel niemand eine Pressemitteilung schreibt. Laut einer Auswertung der Umweltorganisation Urgewald auf Basis von Kpler-Schiffsdaten landeten 12,18 Millionen Tonnen Flüssigerdgas aus dem russischen Projekt Yamal in EU-Häfen, 9,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Geschätzter Gegenwert: rund 7,9 Milliarden Euro. Europa nahm damit etwa 85 Prozent der Yamal-Lieferungen ab. Der Rest der Welt kaufte weniger. Europa nicht.

Formal ist das kein Skandal, sondern Fahrplan. Kurzfristverträge sind seit April verboten, das vollständige Verbot für langfristige Verträge greift erst am 1. Januar 2027. Bis dahin gilt die Logik des guten Vorsatzes: Ab Montag esse ich gesünder, heute ist noch Buffet. Im September ging fast drei Viertel der EU-Mengen nach Frankreich, an die Terminals in Dünkirchen und Montoir.

Europa finanziert seine strategische Unabhängigkeit von Russland bisher vor allem: in Raten, an Russland.

Dazu kommt eine neue Unbekannte: Ein US-Sanktionsgesetz gibt Washington ab dem 18. Oktober Hebel, die auch Yamal-Kunden treffen könnten. Ob die letzten Lieferungen vor dem Verbot ankommen, entscheidet dann womöglich nicht Brüssel, sondern das Weiße Haus. Souveränität ist eben, wenn andere über die eigene Gasrechnung mitreden.

Was wirklich passiert ist

  • Urgewald schätzt auf Basis von Kpler-Daten, dass die EU von Januar bis September 2026 12,18 Millionen Tonnen Yamal-LNG für rund 7,88 Milliarden Euro importiert hat, ein Rekord. Es handelt sich um eine NGO-Analyse, keine amtliche EU-Statistik. Euronews, 09.10.2026
  • Das EU-Verbot für russisches LNG gilt für Kurzfristverträge seit dem 25. April, für Langfristverträge ab dem 1. Januar 2027. gCaptain