Gegen einen früheren Chef des deutschen Auslandsgeheimdienstes wird wegen Spionageverdachts ermittelt, und das stellt eine Organisation, deren ganzer Zweck darin besteht herauszufinden, was andere verbergen, vor eine peinliche Frage. Die Behörde, die Staatsgeheimnisse schützen soll, hat es nun mit Vorwürfen gegen jemanden zu tun, der einst Zugang zu ihren heikelsten Informationen hatte. Alle im Blick zu behalten, wird offenbar deutlich schwieriger, wenn die Person, die man beobachten müsste, früher die Überwachung geleitet hat.

Nachrichtendienste geben enorme Summen an Steuergeld aus, um Bedrohungen zu verfolgen, verdächtiges Verhalten zu analysieren und zu erklären, warum normale Bürger immer ausgefeiltere Überwachung hinnehmen sollen. Die Möglichkeit von Problemen in der eigenen Führungsetage ist da ein ziemlich peinliches Problem.

Man stellt sich die Krisensitzungen vor: ernste Beamte an teuren Tischen, die beraten, wie eine Organisation, die alles wissen will, etwas recht Wichtiges übersehen konnte. Es wird zweifellos Ermittlungen geben, Sicherheitsüberprüfungen und beruhigende Erklärungen über gezogene Lehren. Vielleicht sogar einen Sonderausschuss, der klären soll, warum die bisherigen Ausschüsse nichts bemerkt haben.

Die Öffentlichkeit darf sich derweil damit trösten, dass die deutschen Nachrichtendienste fest entschlossen bleiben, Geheimnisse aufzudecken. Vor allem, so scheint es, ihre eigenen.

Was wirklich passiert ist

  • Der frühere BND-Präsident August Hanning (Amtszeit 1998 bis 2005) wurde Anfang Oktober 2026 festgenommen. Die Bundesanwaltschaft hält ihn für dringend verdächtig der landesverräterischen Ausspähung; ein ehemaliger Mitarbeiter soll ihm über Jahre BND-Informationen für seine private Beratertätigkeit geliefert haben. Für welchen fremden Dienst, ist nicht bekannt; laut WDR, NDR und SZ nicht für Russland. Es gilt die Unschuldsvermutung.
  • Quellen: AP via KSAT, Times of Israel