Deutschland hat stolz einen weiteren Meilenstein der Verwaltungsmodernisierung vorgestellt und verspricht schnellere Leistungen, digitale Anträge und weniger Behördengänge. Das Onlinezugangsgesetz von 2017 sollte Verwaltungsleistungen bis 2022 online bringen. Vier Jahre nach dieser Frist arbeitet Deutschland noch daran. Die digitale Revolution braucht offenbar zuerst eine Genehmigung vom Amt für die Genehmigung von Revolutionen.

Der Staat bietet inzwischen Hunderte Onlineformulare an, doch bei manchen Verfahren müssen Bürger Dokumente weiterhin ausdrucken, von Hand unterschreiben und per Post schicken. Eine bemerkenswerte technische Leistung: das Internet zu nutzen, um festzustellen, dass man immer noch einen Drucker braucht.

Beamte nennen das den Übergang zur vollständig digitalen Verwaltung. Deutschland hat im Grunde die teuerste Methode der Welt erfunden, ein PDF wieder in Papier zu verwandeln. Ministerien veröffentlichen derweil ehrgeizige Digitalstrategien, gründen Expertengremien und verkünden stolz neue Portale. Man stellt sich die Feiern vor: Sekt, Reden über Innovation und eine Sekretärin, die leise das Protokoll ausdruckt, damit alle unterschreiben.

Das Land, das einige der ausgefeiltesten Ingenieurleistungen der Welt hervorbringt, behandelt elektronische Signaturen weiter wie verdächtige Hexerei. Deutschland ist endlich im digitalen Zeitalter angekommen. Leider muss das digitale Zeitalter zwei Passfotos, eine Meldebescheinigung und einen frankierten Rückumschlag mitbringen.