Großbritanniens Premierminister Andy Burnham hat Ende September eine Debatte geöffnet, die London jahrelang gemieden hat. Das Land könne beim jetzigen Brexit-Arrangement bleiben, einer Zollunion beitreten, in den Binnenmarkt zurückkehren oder „den ganzen Weg gehen“ und eine volle EU-Mitgliedschaft erwägen. Er wolle im Land einen Konsens für eine Option finden und die Wahl rund um den EU-Großbritannien-Gipfel im November vorlegen. Labours Wahlprogramm von 2024 hatte Binnenmarkt, Zollunion und Freizügigkeit noch ausdrücklich ausgeschlossen.
Die Optionen sind sehr unterschiedlich. Eine Zollunion würde den Warenhandel erleichtern, aber nur einen Teil des Brexit-Schadens beheben, der vor allem aus dem Austritt aus dem Binnenmarkt stammt. Der Binnenmarkt wiederum bedeutet Freizügigkeit, EuGH-Zuständigkeit und laufende Angleichung an EU-Regeln, für Brüssel nicht verhandelbar. Und ein Wiedereintritt wäre ein neues Beitrittsverfahren, ohne die alten Sonderrabatte.
2016 wollte Großbritannien die Kontrolle zurück. 2026 möchte es vor allem die Waschmaschine zurück, die beim Auszug in der WG stehen geblieben ist.
Entschieden ist nichts, beantragt ist nichts. Aber der Ton hat sich verändert, zu sehen auch beim Besuch Burnhams bei Kanzler Merz am 8. Oktober, der versprach, Großbritannien näher an die EU heranzuführen. Die große Revolution von 2016 wird damit Stück für Stück verwaltungstechnisch nachverhandelt. Manche Revolutionen enden nicht mit einem Knall, sondern mit der Erkenntnis, dass die abgeschafften Formulare mit anderen Formularen verbunden waren, die man noch braucht.
Was wirklich passiert ist
- Burnham sagte Ende September 2026, Großbritannien könne beim Status quo bleiben, einer Zollunion beitreten, in den Binnenmarkt zurückkehren oder einen EU-Wiedereintritt erwägen. Die Optionen will er rund um den EU-Großbritannien-Gipfel im November vorlegen. Euronews, 30.09.2026, Euronews, 02.10.2026
- Ein Antrag auf Wiedereintritt wurde nicht gestellt, eine Entscheidung ist nicht gefallen. Institute for Government