Andy Burnham ist am Donnerstag zu seinem ersten offiziellen Besuch als britischer Premierminister in Berlin eingetroffen. Mit Kanzler Friedrich Merz vereinbarte er engere Zusammenarbeit gegen hybride Bedrohungen: mehr Austausch von Geheimdienstinformationen, besserer Schutz kritischer Infrastruktur, gemeinsames Vorgehen gegen Sabotage und Cyberangriffe. Außerdem tauschten beide die Ratifikationsurkunden des Kensington-Vertrags aus, des deutsch-britischen Freundschaftsvertrags von 2025, der damit in Kraft ist. Hintergrund ist unter anderem der Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle im August, für den Berlin Russland verantwortlich macht.
Zehn Jahre nach dem Referendum entdecken beide Seiten, dass hybride Angriffe sich wenig für Volksabstimmungen interessieren. Man kann eine Union verlassen, ihre Institutionen kritisieren und anschließend feststellen, dass Drohnen über Sachsen-Anhalt keine Passkontrolle machen.
Großbritannien ist aus der EU ausgetreten. Aus der europäischen Bedrohungslage leider nicht.
Burnham signalisierte zudem Offenheit für einen deutschen Einstieg in das Kampfjetprogramm GCAP mit Italien und Japan, Berlin hat noch nicht entschieden. Merz versprach, alles zu tun, um Großbritannien näher an die EU zu bringen. Ende des Jahres steht ein EU-Großbritannien-Gipfel an. Bis dahin gilt: Sicherheitspolitisch ist man längst wieder zusammengezogen. Nur die Klingelschilder hängen noch getrennt.
Was wirklich passiert ist
- Burnham und Merz vereinbarten am 8. Oktober 2026 in Berlin engere Kooperation gegen hybride Bedrohungen und setzten den Kensington-Vertrag durch Austausch der Ratifikationsurkunden in Kraft. Gemeinsame Erklärung, GOV.UK, Bundesregierung
- Berlin macht Russland für einen Drohnenvorfall am Flughafen Leipzig/Halle im August verantwortlich. Euronews via Yahoo